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Leichtathletik in Gomaringen

Sprint-Trainer mit Leib und Seele, Gomaringer Alexander Seeger beendet in Eugene nach 28 Jahren seine Bundestrainer-Karriere

Gomaringer Alexander Seeger beendet in Eugene nach 28 Jahren seine Bundestrainer-Karriere

mit freundlicher Genehmigung 
Text von Ewald Walker
Bild privat
www.gea.de

Er war Sprint-Bundestrainer mit Leib und Seele. Nach 28 Jahren geht er jetzt von der Bahn und macht den Jüngeren Platz. Alexander Seeger aus Gomaringen hat sich über drei Jahrzehnte um den deutschen Sprint-Nachwuchs gekümmert, war weltweit unterwegs in Jamaika, China, Asien, Süd- und Nordamerika und Europa.

Bei 24 Welt- und Europameisterschaften gewann er mit den DLV-Juniorinnen und Junioren insgesamt 12 Medaillen und fünf Titel.

»Der Höhepunkt war der EM-Titel in der 4x100-Meter-Staffel der Juniorinnen 2017 im italienischen Grosseto mit Weltrekord in 43,87 Sekunden«, freut er sich noch heute über diesen Coup. Aber auch der WM-Titel 2018 in Tampere war sensationell. Da trug auch Denise Uphoff aus Reutlingen-Ohmenhausen als Schlussläuferin ihren Teil zum Sieg bei.

Wie hoch die Arbeit Seegers wertgeschätzt wird, beweisen jetzt die Reaktionen deutscher Top-Sprinterinnen.

»Er hat den Grundstein für meine tollen zwei olympischen Medaillen im Bob und Sprint gelegt. Unsere gemeinsame Zeit war geprägt von Erfolgen und viel Spaß, das erfüllt mich mit großer Dankbarkeit«, sagt Alexandra Burkhardt, die erst zweite deutsche Sportlerin, die bei Olympischen Winter- und Sommerspielen eine Medaille gewann.

Gina Lückenkemper, Europameisterin und Strahlefrau, ergänzt an Seegers Adresse: »Er hat auch bei mir den Grundstein für meine Karriere gelegt«.

Dies gilt auch für die Europameisterin von 2010, Verena Sailer.

»Er hat über Jahrzehnte Talente erfolgreich auf ihrem Weg in die nationale und internationale Spitze begleitet. Dafür ist ihm der DLV zu großem Dank verpflichtet«, würdigt ihn der DLV-Aufsichtsrats-Vorsitzende Jochen Schweitzer aus Passau. Ein anderes Lob kommt von seinem langjährigen Weggefährten Thomas Kremer (Dortmund): »Er ist ein besonderer Trainer und Mensch mit viel Erfahrung.«

»Er hat über Jahrzehnte Talente erfolgreich auf ihrem Weg begleitet«

Seegers Erfolgsgeheimnis: Kontinuierliche an Qualität orientierte Arbeit. Seit 2003 hat das Duo Seeger/Kremer den Saisonauftakt beim Läufermeeting in Pliezhausen mit einem Trainings- und Wettkampf-Lehrgang bestritten. Seeger war nicht nur beim TSV Gomaringen zu Hause, sondern auch beim LAC Pliezhausen.

Hier hat er Hindernisläufer Filmon Ghirmai zum deutschen Meistertitel geführt und war sich nicht zu schade, beim Meeting der »krummen Strecken« den Hinderniswagen zu ziehen.

In Gomaringen formte er zahlreiche Athleten zur deutschen Spitze: Mittelstrecklerin Kerstin Marxen, die Bork-Zwillinge, Yannik Graf und aktuell Mittelstreckler Tim Holzapfel. Seit 36 Jahren trägt er in Gomaringen überaus erfolgreich die Hauptlast als Trainer.

Im Hintergrund arbeitend ist er einer der »Stillen Stars« der Leichtathletik, 2023 wurde er vom DLV als Nachwuchstrainer des Jahres ausgezeichnet.

Talententdecker Seeger? »Ich fühle mich eher als Talentbegleiter«, sagt der bei einer großen Versicherungsgesellschaft tätige ehemalige Sprinter mit einer 100-Meter-Bestzeit von 10,78 Sekunden.

Doch wie formt man große Sprinter wie Gina Lückenkemper oder einen Usain Bolt? »Man muss ihre Bewegungsqualität anschauen und dementsprechend das Training aufbauen«, weiß er aus Erfahrung. Dazu zähle schnelle Fußgelenksarbeit, hohe Hüftbeweglichkeit und das mit großer Lockerheit. »Echte Sprinter brauchen nicht viel, sondern das richtige Training«, lautet Seegers Erkenntnis.

»Echte Sprinter brauchen nicht viel, sondern das richtige Training«

Sein letztes internationales Großereignis war in der vergangenen Woche die Junioren-WM in Eugene. »Ich bin stolz, dass ich im Hayward Field, dem Wohnzimmer der US-Leichtathletik, meine Karriere als Bundestrainer beenden darf«, wirkt sein Resümee bescheiden. Die sportliche Bilanz: Zwei fünfte und ein siebter Platz sowie zwei Finalteilnahmen durch Emma Goretzka (7.) und Lena Anochili (9.) über 200 Meter.

»In Eugene flossen am Sonntagnacht Tränen«, gestand Seeger. Es ist ein Abschied mit Wehmut. Seine Trainerkarriere will Alexander Seeger an der Basis in Gomaringen ausklingen lassen.